diesmal ein großartiges Rezept aus meiner Heimat Bosnien – nach dem Rezept meiner Mutter…

in Bosnien heißt es für junge Frauen, wenn du eine Pita machen kannst, dann bist du bereit zum Heiraten. Nun, für manche mag das ja genug  Ansporn sein, warum es sich lohnt dieses traditionelle Rezept zu beherrschen. Für mich war es wichtig, weil es einfach mein allerliebstes Gericht ist das ich aus meiner Kindheit kenne. Mit Pita verbinde ich so viel. Es erinnert mich an kalte Herbstabende in Bosnien, wenn wir Kinder ganz erschöpft von Kälte und Wind und von all dem Herumtoben, heimkommen und gleich beim Öffen der Tür dieser herrliche Duft entgegenströmt. Wenn die Tante, dann den Holzofen öffnet und die noch dampfende Pita herausholt, warteten wir Kinder schon ganz ungeduldigt um den Tisch versammelt. Und dann später in Österreich als meine Mutter Pita machte, war es immer etwas Besonderes: da kam dann immer ein warmes Gefühl von Geborgenheit auf und auch die Erinnerung an die Heimat, die damals so weit weg schien. Vor allem während des Kriegs und die ersten Jahre danach, waren die Rezepte aus der Heimat das einzige mit dem wir uns trösten konnten, dass wir all die Verwandten nicht bei uns hatten. Und heute wenn ich mit meiner Familie zusammenkomme, dann wird obligatorisch Pita gegessen. Am liebsten Kompiraca (die mit der Kartoffelfülle) dazu Tomatensalat ganz scharf mit Zwiebeln und Pfeffer gewürzt und ganz wichtig: Sauerrahm!!

Beim Füllen der Pita sind keine Grenzen gesetzt, es gibt auch süße Füllungen (zum Beispiel in der Weihnachtszeit die Pita, die mit Äpfeln gefüllt wird und mit einer Art Apfelsirup begossen wird). Zu den Klassikern zählt neben der Kompiraca die Sirnica (pikante Topfenfülle). Wobei es regional sehr viele Abwandlungen und Besonderheiten gibt, nicht nur beim Befüllen des Teigs sondern auch bei der Namensgebung. Und natürlich hat jede Großmutter ihr eigenes Rezept welches sie an ihre Töchter weitergibt und diese dann an ihre usw.

Tradition kann so was schönes sein, vor allem wenn sie so unglaublich köstlich ist…

Das brauchst Du:

für eine einfache Pita braucht man sehr wenig Zutaten. Aus dem einfachen Grund, weil in Bosnien (wie ja auch in Österreich) früher die Menschen in größeren Familienverbänden lebten oder Höfe hatten mit vielen MitarbeiterInnen – es war wichtig Rezepte zu haben mit denen man viele Hungrige mit wenig Mitteln richtig satt machen konnte.

Für den Teig (für etwa drei Stück Pita):

1 kg glattes Mehl, 1/4 l lauwarmes Wasser (bei Bedarf auch ein bisschen mehr), eine Priese Salz

Für die Füllung:

1 mittelgroßen Kürbis (ich habe einen Hokkaido verwendet), 1 Ei, 1/2 TL Vegeta (mediterranes Gewürz auf Gemüsebasis mittlerweile fast überall erhältlich), Pfeffer, Salz

Sonstiges:

ein großes Tischtuch zum Einrollen der Pita, Nudelholz, etwas neutrales Öl zum Bestreichen der Pita (Sonnenblumenöl oder Maiskeimöl), Frischhaltefolie zum Zudecken

Das passt besonders gut dazu:

… natürlich ein Tomatensalat mit Zwiebeln und ganz viel Pfeffer. UND Sauerrahm!!!!

und lost gehts…

Der Pita-Teig ist ein sehr dünn ausgezogener Teig. Vergleichbar mit einem Strudelteig. Es bedarf einiger Übung bis es reibungslos gelingt und beim Ausziehen des Teigs keine Löcher entstehen. Nicht umsonst gibts das Sprichwort mit dem Beherrschen des Rezeps und dem Heiraten…

1. das Mehl in eine Schüssel geben und mit dem lauwarmen Wasser so lange vermengen und kneten bis daraus eine schöne glatte und seidige Masse entsteht. Das dauert etwas und erfordert einige Kraftanstrengung. Durchhalten – die Mühe lohnt sich!!

2. Teig dreiteilen. Jedes der drei Teigstücke mit dem Nudelholz in Dessert-Tellergroße Kreise auswalken, mit Öl bestreichen, mit der Frischhaltefolie abdecken und 1/4 Stunde ruhen lassen. Das Beschmieren mit dem Öl verleiht dem Teig mehr Elasitzität und so lässt er sich leichter ziehen. Ein Backblech oder Reindl mit Öl ausfetten und den Ofen auf 200 °C vorheizen.

3. In der Zwischenzeit die Fülle vorbereiten. Dafür den Kürbis schälen und mit einer Hobel in eine Schüssel fein raspeln. Die Kürbisraspeln mit den Gewürzen abschmecken und das Ei hineinverrühren (das Ei bindet das ganze ab).

4. Das Küchentuch auf einen großen Tisch ausbreiten und mit Mehl bestreuen. Dann jeweils eines der Teigstücke nehmen und über den Handrücken streifen und durch drehende Bewegungen den Teig langsam dehnen (siehe Abbildung ganz oben). Hierbei sehr vorsichtig arbeiten, da der Teig leicht reißen kann. Am besten funktioniert es wenn du den Teig auf dem Handrücken von einer Hand hängen lässt (durch die Schwerkraft wird der Teig nach unten gezogen und dehnt sich so) und mit dem anderen Handrücken den Teig vorsichtig in eine Richtung schiebst. Also den Teig jeweils langsam von einer Hand auf die andere bewegst. Dabei musst du mit der Zeit immer weiter ausholen – da ja der Teig sich immer weiter dehnt und größer wird. Sobald der Pita-Teig zu groß geworden ist, als dass du ihn noch länger mit den Händen balancieren könntest, legst du ihn vorsichtig auf das Tischtuch ab. Nun wieder behutsam arbeiten: ziehe nun den Teig an den Rändern weiter auseinander (dabei gehtst du am besten im Uhrzeigersinn um den Tisch herum und ziehst jeweils ein Stück vom Teigrand). Ziehe immer nur so stark wie es die Elastizität des Teiges erlaubt – das spürst du schnell, denn wenn du zu fest ziehst entstehen Löcher. Es macht überhaupt nichts, wenn ein zwei kleine Löcher im Teig entstehen – diese sind dann später nach dem Einrollen nicht mehr sichtbar. Wenn der Teig endgültig gezogen ist (er soll so dünn sein wie Pergament, so dass man hindurch sehen kann). An den Teigrändern ist der Teig aber immer etwas dicker – deshalb die Ränder abschneiden bzw. ganz einfach mit den Händen abrupfen.

5. Füllung gleichmäßig auf dem Pita-Teig verteilen (am besten mit einem Löffel über den Teig streuen). Die Pita mithilfe des Tuchs einrollen bis zur Hälfte. Und dann von der anderen Seite die andere Hälfte einrollen. Zum Einrollen greifst du das Tischtuchende und hebst es vorsichtig in die Höhe – dabei rollt der Pita-Teig selbstständig in die richtige Richtung. siehe Abbildung:

6. Nun die Pita zu einer „Schnecke“ zusammenrollen. siehe Abbildung. und auf ein mit Öl beschmiertes Backblech bzw. Reindl legen.

Mit den anderen zwei Teigstücken wie in Schritt 4-5 vorgehen. Backblech ins vorgeheizte Rohr schieben und bei 200 °C ca. 30 Minuten backen bis der Teig goldbraun und knusprig ist. Nach 20 Minuten den Teig aus dem Rohr ziehen und mit ca. 1/8 Wasser begießen danach weitere 10 Minuten backen. Danach aus dem Ofen nehmen und mit einem Stückchen Butter beschmieren (die Butter macht den Teig noch zarter).

7. Du hast es geschafft!!! Nun kannst du die Pita wohlverdient genießen.

Und so wird Pita üblicherweise gegessen:

am Besten genießt du die Pita in Gesellschaft mit Freunden oder im Kreise der Familie – gemeinsam schmeckts einfach besser!! Die Pita wird gewöhnlich ganz rustikal genossen – nämlich gleich aus dem Backblech (Reindl) heraus und am besten noch ganz heiß aus dem Ofen. Die Pita wird mit der Hand gegessen. Dabei ein kleines mundgerechtes Stück Pita mit der Hand brechen und mit Daumen, Zeigefinger und Mittelfingern zum Mund führen. Die Finger dürfen dabei nicht in den Mund gesteckt werden. Das zeugt von schlechten Manieren. Die Fingerkuppen düfen maximal die Lippen berühren. Für eine geschmackliche Verfeinerung kannst du etwas Sauerrahm mit einm Löffel über ein Stück Pita streichen bevor du es in die Hand nimmst. Ein erfrischender Tomatensalat passt auch hervorragend dazu.

Genieße die Pita – genieße den Tag – genieße das Leben!!!

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